Mit meinen Mädelz zu den Onkelz

Am Samstag war ich mit meinen Mädels bei den Onkelz. Eine abgedrehter wie die andere, was mir, dem prämierten König der Idioten, bestens steht. Während Janine schon bei der La Ultima und in Hockenheim dabei war, ist es für Cati und Amelie das erste Onkelz Konzert gewesen.

Wir starten, Janine ballert auf der Rückbank Ur-Pils, Amelie ist zu jung zum Saufen und macht Amelie Dinge und Cati muss zu ihrem Leidwesen fahren. Ohne Umwege gehts durch bis zum Gleisdreieck.Da stehen schon einige Onkelz wahnsinnige. Es dauert keine 10 Minuten, da parken zwei Mädels neben uns und wie kann es anders sein, auch aus dem Saarland. Irgendwie verlaufen die Dinge in Onkelzhausen immer anders und doch gleich.

Die meisten Leute auf dem Parkplatz flüchten unter die Bäume, wir nicht, Saarland Asozial braucht kein Schatten. So muss ich alsbald ein Nickerchen einlegen und als ich wieder wach bin, hat meine Tochter 12 Promille. Der Rest vom BO Schützenfest ist auch bester Stimmung und es geht den kurzen Weg Richtung Waldstadion. Die zwei Mädels aus Völklingen sind ebenfalls auf der Grabowski und wir haben sie im Schlepptau, eine hieß -umgetauft- Toshiba den Namen der anderen hat das Bier weggespült.

Standesgemäß wird die Bierbude aufgesucht. Wir stehen ein bisschen in der Menge, Janine grölt FCS Lieder und die Uhr nähert sich verdächtig dem Beginn der Vorband: Pro Pain. Der Auftritt ist schnell erzählt, die Band spielt und der überwiegend größte Teil der schon anwesenden Zuschauer wartet sehnsüchtig, bis sie wieder aufhören. Sie gehen aber natürlich nicht von der Stage ohne Terpentin zu Covern, es gibt einen kleinen ersten Vorgeschmack darauf, was die Bude auf dem Kasten hat. Heilige Scheiße….

Nein Stop. Ein bisschen mehr Respekt darf es für die Kapelle um Gary Meskil dann doch sein. Immehin supportete die Band die Onkelz schon mitte der 90er und das Cover von „Terpentin“ war auf dem Lausitzring ein Knaller.

Die Wartezeit bis zu den Onkelz ist kurz. Ein gewöhnungsbedürftiger Einmarsch beginnt. Dann geht es los, mit Lieber stehend sterben als kniend Leben. Cati schießt schon nach den ersten Klängen der Saft in die Tränenkanäle und hat Gänsehaut. Amelie zappelt und lacht und Janine ist schon vor Heilige Lieder in einer anderen Dimension. Und ich? Ich bin selig, freue mich die Band zu sehen und zu hören und habe meine Mädels rechts und links neben mir, in dem Moment ist schon klar, dass es ein toller Abend wird.

Die Songs vergehen wie im Flug, bei So sind wir ist dannn auch Roman am Start, nicht wirklich aber in meinem Kopf.

Der Freund in der Ferne, Wahnsinn wie viele Gedanken einem in ganz kurzen Augenblicken durch den Kopf gehen können. Mir fällt ein, wie ich vor zig Jahren mit Roman in seinem Bonzen Cabrio durch das Nauwieser Viertel fahre, Dach unten und So sind wir auf maximaler Lautstärke. Eine Zottel schreit uns vom Bürgersteig „Scheiß Nazis“ entgegen und Herr Kluthe legt eine Vollbremsung hin. Herzliches Beileid dachte ich bei mir für den Typen, aber es gab nur einen Satz heiße Ohren.

Ich bin kurz traurig um dann in den Partymodus überzugehen, weil ich mir wieder eine paar Millisekunden vorstelle, wie er da steht, breitbeinig mit ausgestreckten Armen und geballten Fäusten -So sind wir- blärrt und mit seinem Organ die halbe Tribüne übertönt.

Die Setlist ist geil und gemein zugleich. Es gibt kaum Pausen zum verschnaufen. Was sich da abspielt, was man sieht, hört und fühlt kann man niemanden erklären. Man kann es niemanden erklären der die Band nicht kennt und genauso wenig jemanden, der sie nie Live erlebt hat. Sicherlich gibt es bessere Sänger, Gitarristen, Drummer und Bassisten. Aber die Energie zwischen Band und den Neffen und Nichten ist und bleibt was einzigartiges. In den Gazetten wird in den nächsten Wochen wieder häufiger versucht das Phänomen zu erklären und in den allermeisten Fällen wird man, wie die Jahrzehnte davor kläglich scheitern. Die Erklärung wäre zu banal und erschütternd zu gleich. Die Onkelz sich echt, beinahe jede Songzeile gelebt und erlebt und nicht nur von der Band selbst, sondern, wie auch in Frankfurt von den allermeisten Zuschauern.

Sogar Mexico ist ein Highlight. Ich erinnere mich an Konzerte in 2001, bei denen Stephan noch viel weniger Staatstragend nach drei Songs verkündete, dass jetzt Mexico gespielt wird, damit man es hinter sich hat. Aber heutzutage ist es ein Erlebnis oder? Der DFB hätte seine wahre Freude und würde einen Verein bei vergleicbarer Menge an Bengalos in einem Spiel zu 10 Mio. Euro Geldstrafe und Zwangsabstieg in die Kreisliga verdonnern.

Mir fiel bei dem Treiben spontan ein Gedanke ein. Es gibt nur zwei mögliche Szenarien die mich jemals wieder nach Berlin kriegen. Der FCS im DFB Pokal Endspiel und ein Konzert der Onkelz im Olympia Stadion. Im Berliner Westend bzw. Charlottenburg – Wilmersdorf würde man sich sicher einen Loch in den Kopf freuen über gut 100.000 Neffen und Nichten. Das die Onkelz das können steht außer Frage, denn was Metallica, Helene Fischer oder Rammstein können, können die Onkelz schon zweimal.

Ebenfalls krasses, schönes Kopfkino löste zuvor Onkelz 2000 bei mir aus. Der Song stammt aus dem Album: Ein böses Märchen… und die ersten Textzeilen lauten: Hysterie und Hexenjad und trotzdem Nummer 1. Das Album zuvor Viva los Tioz war das erste Nummer 1 Album der Band mit 300.000 verkauften Einnheiten in den ersten zwei Tagen. Zum Vergleich, heute reichen 6 bis 8000 verkaufte Einheiten in der Woche meist zu dem Platz an der Sonne. Wunderbare Erinnerungen.

Um es mit einer Textzeile der Band zu schreiben, der Abend war ein magisches Theater, Futter für die Seele und ich froh das ich das mit Cati und den Mädels erleben durfte.